, Zimmermann Matthias

Mirja Pollheimer – Die Achterbahnfahrt zu den ersten internationalen Titelkämpfen

Anfang 2023 fing für Mirja alles wie geplant an. Im ersten Jahr U21 wurde sie für ihr erstes Trainingslager, gemeinsam mit der Elitenationalmannschaft, aufgeboten. Die Freude über das Aufgebot und somit Bestätigung für die vielen schweisstreibenden Stunden auf der Matte und im Kraftraum konnte kaum grösser sein. Ein paar Tage später dann die Hiobsbotschaft. Mirja stützte sich in einem Randori so unglücklich ab, dass alle Bänder und Sehnen ihres rechten Ellenbogen komplett gerissen waren und in der Folge eine langwierige Phase mit Operation, Physiotherapie und viel alternativem und teils auch kreativem Training auf sie zukam. Bereits zwei Wochen nach der Operation stand Mirja bereits wieder auf den Matten und im Kraftraum und trainierte, was immer ohne den rechten Arm ging. Anfang Oktober 2023 durfte sie dann endlich ihren ersten Wettkampf bestreiten und konnte aufzeigen, dass sie in vielen Bereichen eine positive Entwicklung hingelegt hat und partiell stärker war, als vor ihrer gravierenden Verletzung.

Nach einem weiteren Aufbau folgten Topresultate an der SEM 2023 (Silber bei der U21 und Bronze bei der Elite). Im Januar 2024 setzte Mirja nahtlos an ihre jüngsten Erfolge an und konnte das Rankingturnier von Morges in beeindruckender Manier für sich entscheiden. Besser hätte das Jahr 2024 nicht beginnen können. Leider hatte sich Mirja im Verlaufe des Turniers am Fuss verletzt, wobei erst eine milde Diagnose im Raum stand (Stauchung des Fussgelenks). Nach einigen Wochen und einer Zweitmeinung eines weiteren Arztes (die Schmerzen im Fussgelenk wollten nicht schwinden) stellte sich leider heraus, dass es sich nicht um eine Stauchung handelte, sondern um einen Riss des Syndesmosebandes, welcher bis dahin und wegen der falschen Behandlung, nicht heilen konnte. Dies bedeutete eine erneute Wettkampf- und Teiltrainingspause von 6-8 Wochen (inkl. Krücken für 3-4 Wochen).

Der Traum der U21 EM- und WM-Qualifikation schien in weite Ferne gerückt zu sein. Mirja gab jedoch zu keinem Zeitpunkt auf und setzte dasselbe Prinzip um, wie bereits bei der Ellenbogenverletzung. Es kann alles trainiert werden, was die verletzte Stelle nicht betrifft. Mirja rappelte sich schnell wieder auf und zeigte in zahlreichen Trainings, dass sie auch dieses Mal trotz der Verletzung wieder grosse Fortschritte machen konnte. Offenbar entging dies den Coaches der Nationalmannschaft auch nicht, weshalb Mirja Anfang Juli 2024 für ihren ersten Europacup U21 aufgeboten wurde und prompt mit einem 7. Platz aufhorchen liess und unter anderem gegen die aktuelle Weltnummer 2 nur äusserst knapp verlor. Mirja erkämpfte sich somit die Startberechtigung für zwei weitere Europacups, wo sie noch mehr überzeugen konnte und beide Male mit dem 5. Platz zwar knapp am Podest vorbeischrammte, jedoch die Selektionskriterien für die Teilnahme an der U21 EM klar erfüllte. All die Mühen hatten sich endlich ausbezahlt und ein erster grosser Traum ging in Erfüllung!

Nach einer weiteren intensiven EM-Vorbereitung im August, ging es Anfang September nach Tallinn an die U21 EM, wo sie prompt ihren ersten Kampf für sich entscheiden konnte. Die zweite Gegnerin war dann ein Stück stärker, womit Mirjas erstes EM-Abendteuer nach dem zweiten Kampf zu Ende war. Auch hier hätte sie mit einem weiteren gewonnenen Kampf gleich noch die U21 WM-Selektion erfüllt und war entsprechend enttäuscht über das vermeintliche Verpassen dieser Chance. Wie wir alle wissen, haben die Nationaltrainer doch noch zu Mirjas Gunsten entschieden. Die Konstanz der Resultate, die grossen Fortschritte nach den zahlreichen Rückschlägen und die Professionalität, mit welcher Mirja ihre Trainings stehts angeht, rechtfertigten die Selektion für die U21 EM völlig zu Recht. Erneut durfte Mirja mit den Schweizer Topshots die Wettkampfvorbereitung mitmachen und einen weiteren Monat auf die U21 WM in Dushanbe hintrainieren. Wie an der U21 EM konnte Mirja wieder den ersten Kampf für sich entscheiden, bevor sie sich in der zweiten Rund mit einer Niederlage aus dem Turnier verabschieden musste.

Mit etwas Distanz erkennt man, was Mirja in den letzten beiden Jahren für eine Entwicklung an den Tag gelegt hat. Nach zahlreichen (schweren) Verletzungen und etlichen Ups und Downs war nicht zu erwarten, dass Mirja am Ende des Jahres unsere erste Athletin sein wird, welche an internationalen Titelkämpfen teilnimmt und mit der Konkurrenz absolut auf Augenhöhe ist. Mit einem riesigen Rucksack, gefüllt mit Selbstvertrauen und wertvollen Erfahrungen beginnt für Mirja nun die Reise der Leistungssportlerin und Leistungsträgerin erst richtig. Was nun zählt sind Gesundheit und weiterhin eine gute Betreuung durch ihr Umfeld (Freunde und Familie), dem Club, der Schule und den Nationaltrainern. Wir sind gespannt, wo die Reise noch alles hingeht.